Maja Haderlap: Nachtfrauen

Suhrkamp, 24,00 €
Buchcover

Die Geschichte der „Nachtfrauen“ ist die Geschichte von Anni und Mira, von Mutter und Tochter. Beide gehören zur slowenischen Minderheit in Südkärnten. Mira ist in dem Ort Jaundorf zusammen mit ihrem Bruder aufgewachsen, aber zum Studieren nach Wien gezogen. Nun kehrt sie zurück, um ihrer Mutter Anni beim Auszug aus dem Familienhaus zu helfen – hier beginnt der Roman.

In ihrem alten Kinderzimmer verdichten sich bei Mira die Erinnerungen an ihre Kindheit: an das Schweigen zwischen ihr und der Mutter, dem Großwerden unter den Vorgaben der katholischen Kirche, dem viel zu frühen Tod des Vaters. Aber sie ist nicht die Einzige, die mit den Geistern der Vergangenheit ringt. Auch bei Anni bricht sich das Nicht-Vergangene nun Bahn, und die alten ungelösten Konflikte mit ihrer eigenen Mutter Agnes verschaffen sich neuen Raum. Eine Mutter, die nur Befehle, Belehrungen und Gebete kannte, „der Rest war Schweigen, ein Schweigen, von dem Anni glaubte, dass es in Stein gemeißelt sei“.

Damit liest sich der Roman als ein spannendes Porträt dreier Frauengenerationen. Einfühlsam lässt Maja Haderlap ihre Protagonistinnen zu Wort kommen. Sie findet dafür eine ehrliche und eindringliche Sprache. Das Ganze eingebettet in den historisch-politischen Kontext und die Konflikte in der Grenzregion Österreich/Slowenien macht „Nachtfrauen“ zu einer mehr als lohnenswerten Lektüre.