Lea Singer: Die Heilige des Trinkers

Kampa, 24,00 €
Buchcover

Im Mittelpunkt dieses biographischen Romans steht Andrea Manga Bell, geboren 1902 als Tochter einer Hamburgerin und eines afro-kubanischen Pianisten. Früh verheiratet mit einem Prinzen aus Kamerun, ließ dieser sie nach der Trennung mit ihren zwei Kindern 1922min London zurück. Manga Bell kehrte heim nach Deutschland und arbeitete für eine Zeitschrift des Ullstein Verlags in Berlin. Dort lernte sie später den Schriftsteller Joseph Roth kennen, wurde seine Lebensgefährtin und redigierte die wichtigsten Romane und Schriften des Österreichers. 1933nemigrierten beide nach Frankreich.

Lea Singer schreibt hier jedoch keine trockene Biographie, vielmehr ist ihr Roman ein literarischer Hochgenuss. Schon auf den ersten Seiten atmen wir Lesenden die Atmosphäre der damaligen Zeit, flanieren durch die Cafes, Salons und Luxushotels in Berlin, Paris, Sanary-sur-Mer und Nizza. Dabei lernen wir interessante Details über damalige literarische Zirkel und die politische Zeit kennen, erzählt mit einer Leichtigkeit in der Sprache, die den Schriftsteller:innen der Zeit in nichts nachsteht.

Besonders ist die Perspektive Manga Bells, mit der es Singer gelingt, einen tieferen Blick auf eine starke Frau und deren Beziehung zu einem alkoholsüchtigen und darin genialen Schriftsteller zu werfen. Wie Roth trotz Erfolges das Geld zum Fenster rauswarf und versoff, Schulden anhäufte und Freunde wie Stefan Zweig ständig um Geld anflehte, dabei gleichzeitig die Kinder Manga Bells bei sich aufnahm und deren Ausbildung vorantrieb, ist einfach meisterhaft erzählt.